Wein aus Weiningen ZH

wine tasting club wtc

Zusammen mit einigen Weinfreunden gründete Markus Matzner 1996 den Zürcher "Wine Tasting Club". Die Mitglieder treffen sich einmal pro Monat, um "blind" Weine zu verkosten und zu bewerten. Diese Bewertungen basieren auf einem selbstentwickelten 100-Punkte-System (siehe Methode). Die Wahl des Themas und die Auswahl der Weine erheben nicht den Anspruch einer repräsentativen Vollständigkeit, zudem stellen die WTC-Urteile Momentaufnahmen dar. Neben der Güte der Weine wird auch die preisliche Dimension ins Gesamturteil integriert und ausgewiesen.


Beispiele unserer Blinddegustationen:

Streifzug auf dem Stiefel

Italien ist Önophilen ein steter Quell der Freude, zumal die schiere Fülle an Gebieten und Weinen jedem Gaumen den passenden Partner beschert. Doch zuerst heisst es, den richtigen zu finden. Und das ist gar nicht so einfach. Einmal mehr dämmte der breitgefächerte Geschmack unserer Degustatoren die Tendenz, allzu hohe Noten zu erreichen. Somit erhielt der bestbewertete Wein gerade mal 79.6 Punkte. Immerhin gefiel dieser Primitivo aus dem Haus Palmenti der Mehrheit überaus, während jedoch eine Minderheit daran keinen Gefallen finden konnte und die Note trübte. Das ist wohl das Schicksal vieler Weine, wie wir nach bald 20 Jahren Weinclubbing wissen: Deshalb können wir nicht genügend betonen, dass unsere Noten Momentaufnahmen sind und einer gewissen Zufälligkeit unterliegen. Ausserdem schmecken sie ganz anders, wenn man sie zum Essen testet. Eine freilich ganz andere Qualität hat unsere Methode, wenn es darum geht, Etikettenweine zu entlarven. Da sind wir unvoreingenommen, da wir sie "blind" verkosten. Somit imponiert es uns auch nicht sonderlich, wenn er vom Weingut eines der bekanntesten Musiker Englands stammt: von Sting. Seine Weine mögen poetische Namen tragen ("Sister Moon" und "Casino delle vite"), gleichwohl müssen auch sie sich bewähren. Der teurere schaffte dies, der günstigere weniger. Ist eben alles relativ. Auch unser Ansatz...

Es degustierten am 7.4.16: Pino Aschwanden (Gastgeber); Susanne Saudan, Monika Fürst, Flurin Durisch, Hans Matzner, Christoph Egli, Jack Germann, Ralph Wettach, Madeleine Beyeler, Markus Matzner

Der Link zur Liste: hier.




Im Westen viel Neues?

Portugal steht schon seit geraumer Zeit auf der Landkarte der Weinjäger. Dennoch schaffte es diese Perle autochthoner Sorten noch nicht ganz, ihrem Rivalen auf der hispanischen Halbinsel den Rang abzulaufen. Wäre natürlich auch vermessen angesichts der Grösse.
Doch Grösse ist ein gutes Stichwort, denn einige Weine, bzw. ihre Machart waren und sind stilbildend. Ganz zu vorderst gilt es hier die Portweine aufzuführen, die seit ihrer Markteinführung in England (Ende des 17. Jahrhunderts) in Sachen aufgespritete Weine den Ton angeben.
Wir degustierten zum ersten Mal 3 Vertreter dieser speziellen Weinart und einer konnte sich gleich als Tagessieger ausrufen lassen. Dies - wohl bemerkt - in Konkurrenz mit "normal" ausgebauten Weiss- und Rotweinen: Der Quinta da Prelada, 2004, überzeugte durch seine feine und gleichzeitig von Dörrfrüchten elegant unterlegte Gelassenheit. Und der Preis war auch erstaunlich...
Von den "normal" ausgebauten Weinen schnitt bezeichnenderweise ein Wein am besten ab, der eigentlich aufgrund der Traubensorten untypisch ist: der Quinta do Pinto, hergestellt aus Viognier, Rousanne und Chrdonnay...

Alle Weine auf einem Blick: hier.

Es degustierten am 9.3.16: Ralph Wettach (Gastgeber), Susanne Saudan, Monika Fürst, Christoph Egli, Flurin Durisch, Rico Dettling, Jack Germann, Markus Matzner.



Von Sternen und Punkten

Wenn ein Wein in unserem Degu-System, das bekanntlich ohne Kenntnis über die Weine "blind" erfolgt, 87.2 Punkte erhält, dann darf man getrost von einer Sternstunde sprechen. Kein Wunder passt der Name des Weins wie die Faust aufs Auge oder die Nase ins Glas...: "Astralis".
Dieser Syrah von Clarendon Hill hat wiedermal gezeigt, dass Fülle und Stoffigkeit nicht automatisch mit dem Verzicht auf Eleganz und "Trinkigkeit" einhergehen muss. Leider ist der Preis von Fr. 260.- nicht grad dergestalt, dass man ihn landläufig zu den Alltagsweinen zählen kann. So muss man sich gut überlegen, wann - und vor allem mit wem! - man eine derartige Flasche öffnen möchte. Wir jedenfalls danken dem Gastgeber Jack für diesen Genuss...
Neben diesem Überflieger konnten wir eine Palette von weiteren Weinen degustieren, die durchwegs günstiger zu haben sind und gleichwohl viel Spass machen können. Besonders erwähnenswert: Der Sauvignon blanc von Mira, der mit ca. 14 Franken zu Buche schlägt.
Es degustierten am 13.1.16: Jack Germann (Gastgeber), Monika Fürst, Ralph Wettach, Christoph Egli, Pino Aschwanden, Markus Matzner

Die ganze Liste hier!


Von untypischen und typischen Gesellen

Der Name mag zwar seltsam klingen, aber drin steckte herausragende südfranzösische Handwerkskunst: Der D66, benannt nach dem Departement seiner Herkunft, gefiel ausserordentlich und punktete entsprechend hoch. Dazu ergänzten weitere typische Südfranzosen das Bild einer hohen Qualität.
Bei den Weissen räumten wunderbar typische Rieslinge ab: Der Dönnhof - Dellchen oder der Laumersheimer Kapellenberg! NIcht nur Grosse Gewächse, sondern auch grosse Weine.
Untypisch dagegen, aber mindestens für die Freunde exotscher Weine ein interessantes Phänomen!, kamen die Schweizer Vertreter daher. Sie bezeichneten ihre Weine unprätentiös als Pinot noir. Doch dahinter verbargen sich Geschöpfe, die eigentlich Ripasso oder Amarone heissen müssten. Denn von jenen entliehen die Schaffhauser Kellermeister (Florin oder Strasser) ihre Technik. Und dass sie es können, sah man auch an den Punkten. Den echten Amarone jedenfalls (von Nerioto) verwiesen sie auf einen hinteren Platz. Allerdings kann manchmal weniger mehr sein...


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WTC 10.12.15 Grenache & Co.

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Es degustierten am 10.12.15: Flurin Durisch (Gastgeber), Christoph Egli, Hans Matzner, Ralph Wettach, Olivier Eltschinger, Peter HIrner, Madeleine Beyeler, Markus Matzner.


Von Nashörnern, Katzen und Heuschrecken

Keine Angst vor Getier aller Art muss haben, wenn man sich mit Piemonteser Weinen auseinandersetzt. Denn die hiesigen Winzer - nicht alle, aber doch einige der spannenden - neigen dazu, ihre Etiketten mit Getier zu verzieren oder haben Namen, die selbiges beinhalten. La Spinetta zum Beispiel hat Dürers Nashorn gepachtet, Vietti kommt gleich mit einem kleinen Zoo daher und Moccagatta heisst frei übersetzt "Schwarz-Katz". Freilich ist die Namensgebung und Etikettenkunst ein Stück weit Marketing, doch auch die Weine sprechen für sich! Gerade La Spinetta schwang zweifach obenaus: bei den Roten (Barbaresco Valeirano) und den Weissen (Langhe Bianco, ein Sauvignon blanc der Extraklasse!). Dahinter gefiel Moccagattas Chardonnay (für Freunde des Holzeinsatzes) und Vietti mit seinem Barbaresco und dem Roero Arneis. Fast ein wenig abgeschlagen punkteten Elio Altare und Fratelli Revello. Mit anderen Worten: Die Fauna im Piemont lebt...!
Alle Details unter dem Link:
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WTC 26.11.15 Piemont

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Es degustierten am 26.11.15: Madeleine Beyeler & Markus Matzner (Gastgeber), Monika Fürst, Jack Germann, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Hans Matzner, Flurin Durisch, Christoph Egli, Ralph Wettach.


Ceci c'est pas une gamay...

Das Thema war breit und ebenso abenteuerlich: Wir machten eine veritable Tour d'Europe und begannen unsere Reise in Österreich und kamen über Umwegen ins Beaujolais, wo wir einer fast vergessenen Traubensorte begegneten, die ihren Zenit wohl übrschritten hat. Richtig geraten: Gamay! Für Kenner der dortigen Weinszene vielleicht ein Frevel, für uns war es jedoch fast logisch, dass die Vertreter dieser Sorte eher tiefe Noten einkassierten, wirkten sie doch zu unspektakulär und konturlos.
Eher überraschend, um nicht enttäuschend zu sagen, war indes das Abschneiden der an und für sich hochgelobten Muskateller-Weine aus Österreich. Irgendwie konnten auch sie nicht ganz überzeugen und platzierten sich eher im den hinteren Rängen unser Alltime-High-Liste.
Sieger wurde, als einer von vier gewichtigen Weinen aus verschiedenen Ländern, ein uns wohlbekannter Vertreter aus der Ribera del Duero, dessen Name auch finnischer Herkunft sein könnte: Aalto. Er überzeugte auf der ganzen Linie, auch wenn das Qualitätsverständnis der Macher einen stattlichen Preis generiert.

Alle Weine hier

Es degustierten am 15.10.15: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Monika Fürst, Ralph Wettach, Jack Germann, Hans Matzner, Markus Matzner




Purpurrote Verführung

Wenn Weine betören und durch ihre schiere Kraft überzeugen, dann denkt man sofort an die neue Welt. Und das zu Recht! Ihnen mag manchmal die Eleganz abgehen, aber sicher nicht die pure Freude an reichhaltigen Aromen. So auch bei unserem Sample aus Südafrika. Gleich mehrere Exponate überzeugten dank ihrer Fülle und Dichte, ebenso durch ihre Opulenz in der Nase. Einziger Schwachpunkt ist ein dann und wann auftretender Brett-Verdacht.
Als Sieger ging ein Boschendal (Reserve Collection) aus dem Rennen, der auch preislich überzeugte. Dahinter konnte sich ein in der Schweiz sehr beliebter Wein rangieren, der auch dank seines Namens viele Freunde hat: Chocolat Block. Er passt freilich mehr zu Fleisch als zu Schokolade.
Nebst den Roten verkosteten wir auch ein paar Rieslinge. Selbige überzeugten ebenfalls durch ihrer Furchtigkeit, verfügten zusätzlich
über eine pikante Säure, die ja den Reiz ausmacht. Hier schnitt der Kiedricher Turmberg von Robert Weil am besten ab, der aber auch mit seinem Preis von Fr. 31.50 oben ausschwang.


Es degustierten am 10.9.15: Monika Fürst (Gastgeberin), Jack Germann, Hans Matzner, Christoph Egli, Flurin Durisch, Markus Matzner


Botanik und Zoologie...

"Flora und Fauna" lautete das Thema dieses WTC-Abends. Schnell war klar, worum es sich  handelte: Um die Blumen und Tiere auf den Etiketten. Dass sich diese für allerlei Assoziationen anbieten, ist jedem Weinfreund klar. Ebenso, dass man nicht von einer gelungenen Etikette vorschnell auf den damit geschmückten Wein zurückschliessen sollte.
Sieger des Abends wurde ein Wein, der allerdings mit Ästethik und Qualität punktete: Der mallorquinische Tianna Negra, der mit seiner nasalen Wuchtigkeit alle anderen überstrahlte, dessen geschmeidiger Körper aber dennoch gefiel.
Einige der Weine überzeugten auch auf der preislichen Seite, schlagen sie doch mit weniger als Fr. 20.- zu Buche. Etwas Mühe hatte der piemontesische Vertreter "La Spinetta", der das berühmte Nashorn von Dürer zeigt. Dieser Wein war wohl angesichts der opulenten Gegner schlicht zu elegant. Aber, und das sei vom Protokollführer angefügt, beileibe nicht so schlecht, wie es die Note erwarten liesse...

Alle Details: hier.

Es degistierten am 18. Juni 15: Madeleine Beyeler, Markus Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Pino Aschwanden, Ralph Wettach, Rico Dettling, Monika Fürst.

Made in France...

Wieder mal zu Gast in Frankreich. Zum einen gabs Weine von der Loire, die bekannterweise mit ihren Cabernet-Franc-Weinen auftrumpft, und zum Zweiten gings ins Rhônetal, wo die Weissen wie die Roten von Weltrang sind. Obschon der bestbewertete Wein mit "hervorragend" abschnitt, fielen die restlichen Noten doch recht moderat aus. Besonders viel zu reden gab der Loire-Wein mit der seltenen Sorte Romorantin. Er wächst auf einer Reblage, die eine der letzten auf dem alten Kontinent ist, die noch wurzelechte Reben aufweist, also der Reblaus-Katastrophe entkommen ist. Deshalb auch der zungenbrecherische Name "pré-phylloxérique". Geschmacklich indes war dieser Wein nicht eben dazu angetan, uns in Begeisterungsstürme zu versetzen...

Details: hier.

Es degustierten im Mai 2015: Hans Matzner (Gastgeber), Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Ralph Wettach, Susanne Saudan, Christoph Egli, Markus Matzner

Rot-Weisses Österreich

Die österreichischen Weissweine sind eine Macht. Mit ihren Spezialitäten wie Grüner Veltliner oder Riesling, aber auch mit Chardonnay und autochthonen Sorten finden sie international grossen Anklang. Die roten Sorten (zumeist mit Zweigelt oder Blaufränkisch als Trägersorten) gelten ausserhalb Österreichs noch immer als Geheimtipp, auch wenn sie seit Jahrzehnten in Weinkreisen hohes Ansehen geniessen.
Wir haben uns durch ein Panel von beiden Weintypen probiert und gesehen, dass die fruchtigen und säurebetonten Weissen den Schweizer Geschmack eher treffen als die roten Sorten. Letztere konnten nicht ganz überzeugen. Mit für unsere Bewertung sehr hohen 83.6 Punkten gewann der Singerriedel Riesling von Hirtzberger. Allerdings ist sein Preis mit Fr. 81.- geradezu astronomisch...
Zu reden gab auch die Tendenz, dass sich österreichische Winzer zunehmend an die Pinot-Noir-Rebe herantrauen. Wir probierten von Wieninger dessen Grand Select. Ob die Weinwelt darauf gewartet hat, mag angesichts des Ergebnisses eher bezweifelt werden.


Alles auf einen Blick: hier.

Es degustierten: Ralph Wettach (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Christoph Egli, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Markus Matzner


Im Land der Gauchos oder so...

Wer an Malbec denkt, der sieht die blauweisse Fahne mit dem goldenen Sonnenemblem wehen, erinnert sich an Gauchos, die über die Prärie reiten, spürt das pulsierende Leben in Buenos Aires. Dabei kam diese Sorte - wie so viele andere - aus dem Bordelais, hiess da Cot und machte nicht grad die beste Figur, was wohl am Klima lag.
In Argentinien jedoch blühte sie auf und kam zu Weltruhm. Dass hier noch andere spannende Sorten gedeihen, lernten wir anhand der weissen "Torrontes" kennen, die einem superben Sauvignon blanc oder einem rassigem Riesling durchaus den Rang streitig machen kann.
Weniger überzeugend waren die Versuche hiesiger, sprich schweizerischer Winzer, die Malbec-Traube ebenfalls anzubauen. Im besten Fall gleicht ihr Ergebns einem durchschnittlichen Pinot, im schlechteren einem säurereichen Landwein.
Anzufügen ist noch, dass die 4 argentinischen Malbec-Weine klar die besten Noten erhielten, dass aber die teureren Weine den preisgünstigeren nicht gewachsen waren. Drum Augen und Nasen auf beim Kauf teurer Flaschen...

Alle Ergebnisse: hier.

Es degustierten am 19.3.15: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Hans Matzner, Jack Germann, Ralph Wettach, Christoph Egli, Flurin Durisch, Markus Matzner

A wine night to remember...

Ab und an kommen auch gestandene Degustatoren noch ins Staunen und trauen ihren Sinnen nicht mehr. Dann, wenn das Panel eine Qualität erreicht, die das Zertifikat 'aussergewöhnlich' verdient. So war es im letzten Clubabend.
Schon allein das Gruppenbild der Hälfte der getesteten Weine lässt Weinfreunde mit der Zunge schnalzen. (Da stehen ein Vieux Télégraphe 2007, ein Sassicaia 1996, ein Latour 1970, Dal Forno Romano 2003, Penfolds Grange 1996 und ein Chadwick 2005 im momentanen Gesamtwert von ca. Fr. 1200.-)
Gut, zugegeben, weil wir blind verkosteten, konnten wir nicht gleich die Bandbreite der gehobenen Weinschätze in allen Details würdigen. Dann und wann waren wir ziemlich kritisch, was sich an der Tatsache zeigt, dass wir häufig sehr polarisierend bewerteten. Aber wenn ein Weinabend gleich ein halbes Dutzend Weine in den Kategorien 'sehr gut' bis 'phänomenal' platzieren kann, ist das schon ein aussergewöhnliches Ergebnis.

Alle Weine auf einen Blick: hier.

Es degustierten: Flurin Durisch (Gastgeber), Monika Fürst, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Christoph Egli, Ralph Wettach, Jack Germann, Hans Matzner. Markus Matzner.

Finde den Unterschied... 4x Châteauneuf und 8x Bordeaux-Satz

Wenn vier Weine aus einer Traubensorte verkostet werden, dann ist man bisweilen über die Unterschiede erstaunt. Umso spannender und lehrreicher ist es, wenn vier Weine aus der gleichen Appellation mit demselben Traubensätzen von demselben Winzer gekeltert werden! Genau das tat das Weingut Ogier in Châteauneuf du Pape. Herausgekommen sind vier Weine, die sich nur aufgrund des Terroirs unterscheiden, aber dennoch sehr unterschiedlich schmecken.

In weiteren Runden gab es wieder mal einige erlesene Bordeaux-Weine in den Jahrgängen 1986 - 2010 zu probieren. Das Fazit fällt in etwa ähnlich wie schon früher aus: Auch die besten Bordeaux-Weine haben irgendwann unwiederbringlich ihren Zenit überschritten...

Alle Ergebnisse: hier.

Es degustierten am 17.12.14: Jack Germann (Gastgeber); Flurin Durisch, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Monika Fürst, Christian Rensch, Richi Annen, Markus Matzner.

Südfranzösische Sorten - ganz schön international

Angesagt waren Weine aus Südfrankreich. Gewonnen hat ein Roter aus Australien. Zweiter wurde ein Weisser aus Kalifornien, die als Piraten mitliefen. Zufall oder bezeichnend?

Es bedarf der Differenzierung: Bei den Weissen standen die Rhône-Sorten Viognier (Bild) und Roussanne bzw. Marsanne im Vordergrund. Da sich Viognier zu einer Weltsorte gemausert hat und auch anderswo hervorragende Bedingungen vorfindet, ist das Ergebnis verständlich, auch wenn beim Vertreter aus Kalifornien ("Clay Station") gesagt werden muss, dass er dank einer reichlichen Portion Restsüsse punkten konnte.
Bei den Roten stand u.a. die Sorte Grenache im Blickpunkt. Auch da gibt es wunderbare Exemplare aus Übersee (wie den Gewinner "Yangarra" aus Australien), die jedoch mit ihrer Fülle auch "gnügele", wie der Schweizer so treffend ausdrückt. (Auf Deutsch: trinkt man ein Glas, dann hat man häufig genug). Wünscht man also raffiniertere Weine, dann ist man mit den französischen Gewächsen besser bedient. Immerhin hat dieser Weinclub gezeigt, dass es viele Weine gibt, die auch unter 20 Franken in die Kategorien "gut" bzw. "sehr gut" kommen.

Mehr dazu: hier.

Es degustierten am 29.8.14: Monika Fürst (Gastgeberin), Jack Germann, Pino Aschwanden, Christoph Egli, Markus Matzner

La Suisse existe...

Es war eine schweizerische Verkostung mit teilweise fremden Sorten oder selten verkosteten Weinen. Das Positive vorweg: Die Spezialitäten können sich sehen lassen! Vielleicht kein Wunder, dass deshalb ein Heida-Wein (auch Savagnin genannt) der Domaine Cornulus oben ausschwang. Ebenfalls schön und überzeugend der Pinot noir "Kloster Sion" aus dem aargauischen Weingut Meier. Dahinter ein weiterer Wein von Cornulus: ein wahrlich fremder und exotischer Tropfen aus der Chenin blanc-Traube, der Clos de Mangold (Bild). Spannend.
Im hinteren Feld tummeln sich auch einige Bekannte, die in früheren Degustationen weit besser abgeschnitten haben. Es scheint, dass die Schweizer Weine in Sachen Nachhaltigeit leider noch nicht zur Weltspitze aufgeschlossen haben. Was noch nicht ist, kann freilich noch werden...
Ach ja, es gab noch einen Piraten aus dem Burgund. Wie üblich konnte der nicht überzeugen. Weiss der Teufel, was alle Welt an den burgundischen Weinen findet...

Die Resultate auf einen Blick: hier!


Es degustierten am 2.7.14: Ralph Wettach (Gastgeber), Jakob Germann, Flurin Durisch, Monika Fürst, Christoph Egli, Markus Matzner

ganz und gar nicht primitivo...

Im letzten WTC ging es um ein Wiedersehen mit südafrikanischen Weinen und Kreszenzen aus einer Gegend, die so viel Sonne aufzuweisen hat, dass sie sie abgeben könnte. Genau: die Rede ist von Apulien. Hier wachsen u.a. die Primitivo-Trauben, die als Weine ausgebaut, so dicht wie Marmelade sind, und in ihrer Tiefe und Fülle betören, als wären sie eine Arie von Caruso.
Und das Beste: Nicht selten gefallen die Weine auch preislich, kosten sie doch manchmal gar unter 10 Franken!

Alles auf einen Blick: hier.

Es degustierten: Flurin Durisch (Gastgeber), Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Chtistoph Egli, Jack Germann, Ralph Wettach, Markus Matzner

Spanien vs. Italien

Dieser Weinclub wäre die perfekte Fussball-Affiche gewesen. Spanien vs. Italien. Und alle Welt hätte vermutet, dass sich die Italiener hinten reingestellt und den Spaniern das Leben schwer gemacht hätten. Nachdem die Spanier in der Nationalmannschaft keinen Messi besitzen, wäre es für die Iberer schwierig geworden. Doch nicht so bei uns. Beziehungsweise nicht so in Sachen Wein. HIer gewinnen die Spanier klar! Sie können die ersten drei Plätze belegen und lassen die Italiener alt aussehen. Was auch nicht verwundert, waren die italienischen Weine tatasächlich ein wenig älter. Dennoch fällt auf: Auch bei den Spaniern hat sich ein Preisniveau durchgesetzt, das - wenn man Topqualität will - bald mal im Bereich zwischen 30 bis 50 Franken liegt. Kein schönes Erwachen fürs Portemonnaie, aber umso mehr für den Gaumen...

Alle Resultate auf einen Blick: hier.


Es degustierten am 5.3.14. Jack Germann (Gastgeber), Flurin Durisch,  Monika Fürst, Ralph Wettach, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Markus Matzner

Wein und Essen: eine Marriage, die hält?

Schon häufig erklang nach der Degustation der Satz, dass dieser oder jener Wein weit besser abgeschnitten hätte, hätte man ihn zusammen mit etwas Essbaren verkostet. Wir wollten diesem Umstand mal auf den Grund gehen und haben einige Weine, die in der "Nacktgaumenverkostung" mittel bis schlecht abschnitten, erneut verkostet. Diesmal allerdings mit Speisen, die gemäss Angaben der Winzer passen sollten. Zu den Weissen gab es z.B. Blätterteigstangen mit Crevetten, zu den Roten Teigwaren mit Sugo oder verschiedene Käse.
Das Ergebnis war erstaunlich intrepretationsbedürftig: Die Weine aus Italien schnitten mit Ausnahme eines Weissweins besser ab, die Weine aus Frankreich weniger gut! Die Schweizer Vertretung konnte sich einmal stark verbessern (Heida von Provins), bzw. konnte leicht zulegen (Pinot noir von Schloss Salenegg in Maienfeld). Mit anderen Worten gibt es sehr wohl Weine, die von passenden Speisen profitieren, andere jedoch verlieren mit dem Essen. Dass es sich hierbei um französische Weine handelte, muss mit Erstaunen zur Kenntnis genommen werden...

Die Ergebnisse:
 

Wein, Herkunft, Trauben, PreisPunkte
"nackt"      
    
Punkte
in "Begleitung"
Licinia, E, Tempranillo, Fr. 39.90 bei Globus    74.980.6
Kremser Wachtberg, A, Riesling, Haus Österreich Fr. 22.-   77.480.0
Maître de Chais, CH, Heida, Provins Fr. 23.9075.479.5
Insoglio, I, Cab. Sauv., C.Franc, Merlot, BIndella, Fr. 26.5073.079.1
La Casetta Ripasso, I, Corvina, Rondinella, Vergani, Fr. 20.0074.278.5
Blauburgunder, CH, Schloss Salenegg, Fr. 25.-74.776.5
Gigondas, F, Grenache, Syrah, Consault, Mövenpick, Fr. 25.-74.673.8
beta delta, I, Chardonnay, Pinot gris, Lageder, Bindella, 22.-73.070.1
Clos René, F, Merlot, Cab.Sauv., Coop, Fr. 29.5075.069.7

Es degustierten am 16.1.14: Madeleine Beyeler und Markus Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Christoph Egli, Hans Matzner, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Jakob Germann.


Der autochthone Weinschatz

Dass Sauvignon blanc, Chardonnay, Pinot noir und Cabernet auf der ganzen Welt daheim sind, wissen alle, die schon mal über den Glasrand geblickt haben. Doch so global die Weinwelt in den letzten 50 Jahren geworden ist, es gibt sie noch: Die Rebsorten, die es (fast) nur an einem Ort oder in einer Region gibt. Man nennt diese Sorten im Fachterminus "autochthon".
Gerade die Alpenländer, die mit ihren Talschaften lange Zeit ein isoliertes Dasein gefristet haben, warten mit wunderbaren Schätzen auf.
Gerade um diese Sorten ging es im letzten Clubabend und es ist kein Wunder, dass das Wallis gleich mehrere Vorzeige-Sorten aufweist, die mittlerweile auch international für Furore sorgen. Aus Visperterminen (Bild), dem Ort mit dem höchstgelegenen Weinberg Europas, stammt beispielsweise der Heida, der von Madeleine Gay für Provins gekeltert wird.
Gewinner dieses Abends waren indes zwei Rotweine aus dem Süden Italiens, die mit ihrer Fülle und Dichte zu begeistern vermochten: Ein Aglianico (Taurasi) und ein Nero D'Avola (Harmonium).

Alle Weine auf einen Blick: hier.


Es degustierten am 9.12.13: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Hans Matzner, Flurin Durisch, Jack Germann, Ralph Wettach, Markus Matzner.

Grüsse aus dem Valpolicella!!!

Wer Amarone hört, der denkt an Fülle, Dichte und rumtopfige Töne. An Röstaromen, Schokolade und leichte Bittertöne (hiervon auch der Name: amaro bedeutet bitter). Er denkt vielleicht auch an teuer und fast schon zu üppig zum Essen. Soweit die Klischees, die sicher viel Wahres transportieren. Aber wenn wir etwas anhand der vorliegenden Weinmuster widerlegen können, ist es die Mär, dass gute Amarone immer über fünfzig Franken kosten müssen! Wir präsentieren hier mehrere Amarone, die unter Fr. 30.- kosten und absolut empfehlenswert sind! Besonders hervorgestochen: Der Amarone von "Ca'Rugate". Er erhielt 85 Punkte und kostet bei Aldi sage und schreibe Fr. 27.-! (Im Bild die Anlage, um die Beeren zu trocknen. Für die Amarone-Verarbeitung werden erst die getrockneten Beeren vergoren.)
Nebst den Amarone haben wir auch einige herkömmlich produzierte Weine aus dem Valpolicella verkostet, die ebenfalls überzeugen konnten. Dazu noch drei Weisse aus dem (fast) benachbarten Südtirol von Clemens Waldthaler.

Alle Weine: hier!

Es degustierten: Christoph Egli (Gastgeber); Flurin Durisch, Hans Matzner, Ralph Wettach, Monika Fürst, Markus Matzner

Querbeet mit vinicus.ch

3 Weissweine und 6 Rote sollten degustiert, die Traubensorten erraten und den Ländern zugeteilt werden. Immerhin bei den Weissen klappt das so einigermassen. Hier erinnerte ein Riesling-Sylvaner (=Müller-Thurgau) daran, dass diese Sorte unter Wert geschlagen wird. Dazu blind und daher unvoreingenommen degustiert: unser Sauvignon blanc von vinicus.ch, der sich wacker schlug und mit 72,3 Punkten als gut bewertet wurde.
Bei den Roten sorgte ein Schmeichler aus Kalifornien für die höchste Note, ein Cabernet Sauvignon von Mondavi. Einmal mehr schnitt ein namhafter Bordeaux (Pontet-Canet) nur mässig ab.

Alle Ergebnisse: hier

Es degustierten am 11.9.13: Monika Fürst (Gastgeberin), Flurin Durisch, Christoph Egli, Madeleine Beyeler, Ralph Wettach, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Markus Matzner



Ornellaia und Co...

Eine muntere Runde von Rotweinen mit Schwergewicht Italien sorgte für erstaunte Tester. Wieder mal war nicht nur die Qualität, sondern auch die preisliche Varianz entscheidend. Und für einmal schnitten die teureren Weine durch die Bank besser ab als die günstigen. Dennoch konnten die teilweise wirklich billigen Tropfen recht anständig punkten. Besonders aufgefallen ist der "Il Bruciato" aus dem Haus Guado al Tasso (Antinori), der mit Fr. 16.95 (Denner) zum Schnäppchentipp mutiert! Etwas unter Wert geschlagen: Ornellaia 1999, der extrem polarisierte. Oben aus schwang ein anderer Toskaner: der "Galatrona" von Petrolo, der mit seinem gelungenen Auftritt verführte, auch wenn sein Preis nicht ohne ist...

Alle Ergebnisse: hier

Es degustierten am 29.8.13: Jack Germann (Gastgeber), Flurin Durisch, Christoph Egli, Monika Fürst, Ralph Wettach, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Markus Matzner

Die Crux der Sortenbestimmung

Es ist immer spannend, verschiedene Weine aus verschiedenen Regionen zu vergleichen. Wenn jedoch die Aufgabe dazu kommt, sie "blind" zu bestimmen, dann folgt nicht selten die ernüchternde Erkenntnis, dass man auch nach vielen Dutzend Weinverkostungen noch immer Mühe hat, einen Wein einwandfrei einem Land oder einer Sorte zuzuteilen. Hier war es wenigstens bei den Weissen anders. Die Mehrheit der Degustatoren konnte die Weine treffsicher bestimmen. Das lag wohl daran, dass sie sortentypisch gekeltert und ausgebaut wurden.
Bei den Roten war die Einheitlichkeit nicht immer gegeben. Da gingen die Einschätzungen über Herkunft und Sorten auseinander. Nicht allerdings bei den Urteilen, die recht konsistent ausfielen.
Erstaunlich war auch die Menge an hohen Bewertungen: 8 von 10 Weinen überzeugten auf der ganzen Linie. Die Preise lagen jedoch im höheren Segment. Im Bild der Sieger nach Punkten: Aalto, 2010, Urteil: hervorragend!

Alles auf einen Blick: hier!

Es degustierten: Pino Aschwanden, Susanne Saudan (Gastgeber), Flurin Durisch, Christoph Egli, Madeleine Beyeler, Markus Matzner

Chardonnay und Co...

Pinot und Chardonnay. Zwei Allerwelts-Sorten. Dazu als dritter Player Tempranillo, der zwar in Spanien der klare Dominator ist, aber weltweit eher unter "ferner liefen" rangiert. Genau dieser Breite an Weinen sind wir am letzten Clubabend begegnet. Und das Resultat war einmal mehr, dass es bei jeder Sorte teure Weine gibt, die "verheben" und solche, die zwar ebenfalls ihren Preis haben, aber aus für uns unverständlichen Gründen ver- und gekauft werden.
Bei den Pinots wie den Chardonnays - und das ist erfreulich - konnten Schweizer Weine obenaus schwingen. Der Pinot kam von J.P. Pellegrin aus Genf und der Chardonnay aus dem Haus Donatsch in Malans. Beide dürfen nicht nur die höchste Punktzahl für sich reklamieren, sondern verlangen auch denselben beachtlichen Preis (Fr. 68.-!) Der beste Tempranillo kommt von einem altehrwürdigen Produzenten aus der Ribera del Duero: von Pesquera.

Alle Weine auf einen Blick: hier!

Es degustierten am 16.5.13: Flurin Durisch (Gastgeber), Madeleine Beyeler, Jakob Germann, Christoph Egli, Monika Fürst, Ralph Wettach, Hans Matzner, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Markus Matzner.

Neues im Osten...

Der Jahrgang 2009 war für österreichische Spitzenweine ein denkwürdiger Jahrgang. Die Weinzeitschrift Vinum würdigte ihn mit einer ausführlichen Degu. Wir schauten mal, ob wir derselben Meinung sind. Unter anderem testeten wir zwei Pannobiles (Pittnauer, Leitner) sowie weitere burgenländische "Ungeheuer", die bei vinum 17,5 und 18 Punkte erhielten. Auch wenn wir im Schnitt nicht ganz die Höhe der Vinum-Bewertungen erreichten, zeigte sich die durchaus hohe Qualität der Weine. Doch wir staunten. Mitten im Reigen der Grossen tummelten sich auch einige peirswerte "kleinere" Gewächse. Unter anderem ein Zweigelt von Rabl für sagenhafte Fr. 11.35 (Fasszination). Oder ein Grüner Veltliner (Domaine Wachau) für Fr. 9.95 (Denner)!
Mit anderen Worten lohnt es sich, nicht nur auf die teuren, internationalen Weine abzustellen (z.B. Schwarz), sondern im breiten Angebot die Nischenprodukte zu suchen!

Alle Weine auf einen Blick: hier.

Es degustierten am 4.4.13: Madeleine Beyeler, Markus Matzner (Gastgeber), Monika Fürst, Susanne Saudan, Jack Germann, Flurin Durisch, Hans Matzner, Pino Aschwanden, Ralph Wettach.



Weine aus der Sonnenstube

Chardonnay und Merlot aus dem Tessin. So hiess die Affiche an diesem Clubabend. Und schnell wurde klar, dass sich beide Sorten weiterentwickelt haben. Galt bis vor kurzem die ABC-Regel - anything but chardonnay - hat sich der Wind gedreht. Her mit neuen, spannenden Chardonnays, die terroirkonform gekeltert wurden und nicht mehr einfach nur holzbetonte Hammerweine sein möchten.
Und auch beim Merlot, der in der Schweiz fast ein wenig als autochthone Sorte verstanden sein will (dabei gehört Merlot selbstredend zu den meistangebauten Sorten der Welt), hat sich ein Wandel ergeben. Die neuen Weine kommen teilweise sehr modern, obgleich auch opulent daher.

Unterm Strich bieten die Tessiner Weine eine Palette an interessanten Tropfen mit spannenden Spielarten. Leider aber stehen vor allem die Roten nach wie vor in einem Preissegment, dass den Begriff preiswert nicht verdient.
Alles auf einen Blick: hier.

Es degustierten am 29.1.13: Ralph Wettach (Gastgeber), Susanne Saudan, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Hans Matzner, Flurin Durisch, Markus Matzner



Das Auge trinkt mit...

Wie sehr lässt sich das Auge beim Weinkauf leiten? Man muss kein Kulturpessimist sein, um zu ahnen, dass wir uns gerne optisch etwas vorgaukeln lassen. Das gilt insbesondere auch für Weine, deren Etiketten ansprechend sind. Gerade bei der Wahl zwischen zwei unbekannten Flaschen, die das gleiche Sortenbild oder eine ähnliche Herkunft aufweisen, werden wir die "schönere" Etikette bevorzugen, sofern der Preis ähnlich ist. Aus diesem Grund überprüfen wir im WTC die Weine selbstverständlich "blind", d.h. ohne ihre Etikette zu sehen. Mit anderen Worten soll ihre Qualität geprüft werden und nicht ihr Äusseres.
Bei unserem Bestreben kamen recht eindrückliche Diskrepanzen zu Tage. So polarisierten die Weine teilweise extrem, und der Schnitt der Weine lag eher tief. Somit ist klar: Was ein gelungener Auftritt bisweilen kaschiert, kann sein simpler Sinneseindruck nicht verschleiern. Unser Resumée ist daher nicht verwunderlich. Das Auge trinkt mehr mit, als uns lieb sein kann. Oder anders gesagt: Augen zu beim Weinkauf...

Alle Weine im Überblick: hier.


Es degustierten (24.10.12): Monika Fürst (Gastgeberin), Madeleine Beyeler, Susanne Saudan, Hans Matzner, Ralph Wettach, Pino Aschwanden, Markus Matzner


Chardonnay und Grenache: Im Ausland wachsen die besten Franzosen...

Die eine ist eine alte Bekannte, die weit herum gekommen ist. Die andere ist zwar nicht ganz so bekannt, doch ebenso ein World-Player...
Die Rede ist von Chardonnay und Grenache. Beide Sorten kommen ursprünglich aus Frankreich, haben sich aber mittlerweile in Europa ebenso ausgebreitet wie international Beachtung gefunden. Wie aber steht es bei unserem Sample?
Nun, es kommt bekanntlich anders, als man denkt. Insbesondere, wenn eine Gruppe von unterschiedlich bevorliebten Weininteressierten "blind" verkostet. So schnitt beileibe nicht der typischste Chardonnay (aus der Urprovenienz Burgund) am besten ab, sondern eine österreichische Ausprägung, die erst noch ohne Barrique auskam. (Weingut Muster in Gamlitz/Steiermark)
Bei den Roten konnte nicht etwa ein südfranzösischer Wein oben ausschwingen, sondern ein australischer (Turkey Flat, Barossa Valley). Der gefiel einerseits wegen seines Gesamtauftrittes wie wegen seines Preises.
Apropos Preis: Einmal mehr konnten die teuersten Tropfen nicht überzeugen, rangierten sich bestenfalls im Mittelfeld. Der Grund ist wohl die alte Leier, wonach man einen Etikettenwert von 45 Franken nicht degustieren, sondern höchstens intellektuell ergründen kann...

Hier alle Weine im Überblick: hier.


Es degustierten: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan (Gastgeberin), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Ralph Wettach, Christoph Egli, Jack Germann, Markus Matzner.


Teuer = gut? Eine Ungleichung...

Kleider machen Leute, weiss der Volksmund spätestens seit Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle. Wir wissen: Hohe Weinpreise machen Nachfrage. Mindestens in jenem Sektor von Weinen, die man als "Normalsterblicher" allenfalls einmal im Leben kosten kann. Denn wer weiss schon, wie ein Latour oder ein Grange schmeckt? Wie ist es aber dann, wenn das Wissen um den Wein wegfällt? Wenn nur noch die Qualität des Glasinhaltes zählt? Können dann billige Weine aufholen und die teuren sogar übertrumpfen? Wir machten die Probe aufs Exempel und sahen, dass einige 7-fränkige Weine überaus positiv bewertet wurden und hundertfränkige Tropfen hinter sich liessen. Und die Moral von der Geschicht? Trau dem Preis alleine nicht...


Mehr hierzu hier!

Es degustierten (Juli 2012): Flurin Durisch (Gastgeber), Madeleine Beyeler, Monika Fürst, Susanne Saudan, Jack Germann, Christoph Egli, Pino Aschwanden, Markus Matzner

Veltlin - eine schweizerisch-italienische Liaison

Bis 1815 gehörte das Veltlin noch zur Schweiz. Am Wiener Kongress sorgten die Machthaber aber dafür, dass es zum lombardo-venetianischen Königreich geschlagen wurde. Dennoch - und das ist die Ironie der Geschichte - winzern nach wie vor einige Schweizer Familien (im Bild der Barrique-Keller der Familie Triacca) auf den steilen Rebhängen zwischen Tirano und Sondrio. Und das mit Erfolg! Auch in unserer Degustation liegt ein "Schweizer" Veltliner vor zwei namhaften italienischen Weinen, die beim Gambero Rosso jeweils die drei Gläser auf sicher haben. So oder so lohnt sich ein profunder Blick ins Weinschaffen dieser Region, nicht zuletzt, weil es ein erstaunliches Stiefmütterchendasein fristet.

Alle Ergebnisse auf einen Blick: hier!

Es degustierten (Juni12): Madeleine Beyeler, Markus Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Jack Germann, Susanne Saudan, Monika Fürst, Pino Aschwanden, Christian Rensch.


Südtiroler Weinschätze

Dass die Südtiroler Weine für viele Weinfreunde zu den spannenden gehören, muss nicht mehr extra betont werden. Doch das Erstaunliche an diesem Landstrich südlich des Brenners ist nicht nur, dass es wunderbare Beispiele internationaler Traubensorten gibt, sondern darüber hinaus eine einheimische, also autochthone Varietät gibt, die umwerfende Resultate liefert: die Lagrein-Traube. Kein Wunder konnten die drei Lagrein-Weine hoch punkten, obschon sie im Abgang durch einen recht ansehnlichen Bitterton (der jedoch sortentypisch ist) auffallen. Damit gehören sie sicher nicht zu den langweiligen Marmelade-Weinen, auch wenn ihre Fülle und ihre Komplexität einem jeden Modewein ebenbürtig ist.
Auch bei den Weissen bietet das Südtirol einiges. Wir lernten einen Gelben Muskateller (Moscato giallo) kennen, der dank seiner Vielseitigkeit ausnehmend gefiel. Interessant war ausserdem, dass es sich bei den meisten Weinen (von Lageder und Manincor) um Bio-Weine handelt. Hier liegt aber auch die Crux an unserem Sample. Nicht selten gaben gewisse brett-ähnliche Töne Abzüge und das hatten wir schon früher bei Bio-Weinen.

Mehr dazu: hier!

Es degustierten: Hans Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Christoph Egli, Jack Germann, Rico Dettling, Markus Matzner


Wundertüte Bordelais

Es standen wiedermal Weine zum Test, welche die weite Welt der Bordeaux-Sorten (Cabernet Sauvignon, Merlot und Cab. Franc) bereithält. Bekanntlich gibt es schon genügend Unterschiede und ein erstaunliches Qualitätsgefälle in der namengebenden Weinregion. Umso unübersichtlicher wird es jedoch, wenn man die "weltweite" Bordeaux-Szene betrachtet. Seit Jahrzehnten gilt es anscheinend für viele Winzer als das Grösste, die Kreszenzen aus dem Bordelais zu imitieren, zu kopieren oder gar zu konkurrenzieren. Und immer mehr Winemaker schaffen das auch weit weg von der Gironde. So wundert es nicht, wenn ein spanischer Merlot (aus dem Haus Juan Leon/Torres) seine Kollegen aus Frankreich übertrumpft und das bei einem Preis, wo's den anderen schwindlig wird. Weil so günstig!
Dennoch muss auch angefügt werden, dass es kein Wein geschafft hat, uns restlos zu überzeugen. Die Noten sind auch dieses Mal recht verhalten ausgefallen, obschon die Polarisierung (die wir via Standardabweichung ermitteln) zumeist recht klein ausfiel.


Die Weine auf einen Blick: hier.



Es degustierten: Jack Germann (Gastgeber), Pino Aschwanden, Susanne Saudan, MOnika Fürst, Hans Matzner, Ralph Wettach, Flurin Durisch, Markus Matzner


Ernüchternde Aufgaben mit Alkohol

Es war wieder mal ernüchternd und lehrreich zugleich. Wie schon eingangs erwähnt, konfrontierte uns Gastgeber Pino mit drei Aufgaben: Erstens aus drei Weissweinen die beiden Sauvignon blancs zu finden. Dann aus vier Rotweinen den Pirat zu eruieren und zu guter Letzt aus vier Weinen die Sorte von drei Rotweinen herauszufinden und den "fremden Fötzel" auszugrenzen. Gleichzeitig haben wir wie üblich bewertet.
Mag sein, dass es an der Schwierigkeit der Aufgabe lag, dass die Laune der Degstaoren abnahm, was sich auch in den Noten manifestierte. Oder dann lag es an der Varianz der sortenreinen Weine, die wiedermal erstaunlich gross war. So schmeckte einer der Sauvignons weit eher nach anderen Sorten als nach der eigenen. Bei den Tempranillos mochte es an der immer öfter anzutreffenden Unart liegen, dass die Kellermeister nur dann zu reüssieren vermeinen, wenn sie möglichst viel Kraft herauskitzeln. Was nicht selten auf Kosten der Eleganz geht. Die Sangioveses schlussendlich waren zwar preislich top, aber in ihrer Gesamtschau nur teilweise auf der Höhe.

Alle Weine auf einen Blick: hier.


Es degustierten: Pino Aschwanden, Susanne Saudan (Gastgeber), Hans Matzner, Christoph Egli, Jack Germann, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Markus Matzner


Schweizer Pinots gegen den Rest der Welt (Teil 2)

Quasi der zweite Teil unserer Testreihe, wie sich Schweizer Weine im Vergleich zu ausländischen schlagen. Diesmal stand die Königin der Rotweintrauben auf dem Prüfstand: die Pinot-noir-Traube. Dass sie eine der zickigen Sorten ist, würde jeder Winzer unterschreiben, der sich schon mal mit ihr versucht hat. Gelingt der eine Jahrgang fast automatisch, bilden sich in anderen Jahren unerklärliche Bittertöne, markante Säuren oder anders geartete Miesmacher. So oder so: ein schöner Pinot im Glas gilt nicht umsonst als eine fast schon meditative Offenbarung. Die Aromen, die selten vordergründig und mit Getöse daherkommen, müssen entdeckt und erarbeitet werden. Doch mit jedem Schluck, mit jeder Inhalation gelingt das besser.

Unsere Weine stammten aus der Schweiz, aus Deutschland (wo die Sorte Spätburgunder heisst), aus Frankreich (dem Stammland) und aus der neuen Welt. Dazu hat sich listigerweise ein Nebbiolo aus dem Piemont eingeschlichen, der sich nicht zu verstecken brauchte. Am besten haben ein Malanser (Studach) und ein amerikanischer Pinot (Freestone) abgeschnitten, was doch ein gewisses Erstaunen erzeugen dürfte. So attestierten die Tester dem amerikanischen Wein durchaus, dass seine Aromen sehr exotisch wirkten. Aber nichtsdestotrotz punktet so ein Wein in Sachen Intensität aufgrund unserer Methode hoch. Natürlich würden die meisten Tester dennoch einen Schweizer Pinot diesem "Fremdling" vorziehen.

Unterm Strich haben wir durch die Bank recht streng bewertet, was daran ersichtlich ist, dass die beste Note eine "75" (=sehr gut) ist. Etwas enttäuscht waren wir von den Kreszenzen des Winzers des Jahres Diego Mathier. Speziell sein 08er irritierte durch seine uneingebundene Säure und seine aufgesetzte Krautigkeit. Wie fast immer konnten auch die französischen Botschafter aus dem Burgund nicht überzeugen. Uns ist es ein Rätsel, wie die bei dieser Qualität diese Preise rechtfertigen!?!

Alles auf einen Blick: hier.

Es degustierten: Christoph Egli (Gastgeber), Hans Matzner, Pino Aschwanden, Jack Germann, Flurin Durisch, Markus Matzner

Die sanfte Wein(r)evolution (Teil 1)

Wie eingangs erwähnt, macht sich im Herzen Europas ein Weinland auf die Socken, um dank des Klimawandels bald an vorderer Front mitzuspielen. Es bietet dank seiner unterschiedlichen Terroirs und dank seiner Vielseitigkeit ein erstaunlich breites Potenzial an eindrücklichen Weinen. Kommt hinzu, dass eine neue Generation von gut ausgebildeten Winzerinnen und Winzern heranwächst, welche die Scheuklappen endgültig abgelegt hat und das Weinmachen neu entdeckt. Welches Land hier gemeint ist, dürfte spätestens dann klar werden, wenn die Affiche genannt wird: Bielersee-Weine gegen den Rest der Welt. Und die Kreszenzen aus dieser Gegend können sich sehen und schmecken lassen und das durchaus im Vergleich mit Aromenbolzern aus Frankreich, Italien und Australien.
Zugegeben, wir haben nur eine kleine Auswahl gekostet und ebenfalls zugegeben: nicht alle hiesigen Weingüter haben den Unterschied zwischen Qualität und Quantität begriffen. Doch die beiden Weingüter, die wir kennen lernten, profitieren von einem fliessenden Generationenwechsel und sorgen schon jetzt für erfreuliche Entdeckungen: Die Rede ist vom Weingut Krebs und vom Weingut Klötzli aus Twann!

Alle Weine auf einen Blick: hier!



Es degustierten: Markus Matzner und Madeleine Beyeler (Gastgeber), Monika Fürst, Pino Aschwanden, Toni Bichsel, Jack Germann, Hansjörg Niklaus.





Sämtliche Weine werden "blind" und mittels unserer 100er-Methode (Siehe "Wine Tasting Club"=> hier) bewertet.
Die Punkte bedeuten folgendes:
>90: Jahrhundertwein
>85: phänomenal
>80: hervorragend
>75: sehr gut
>70: gut
>65: gefällig
>60: knapp genügend
> 55: ungenügend
>50: schlecht







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WTC 13.1.16

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